| Veranstaltung: | 55. Landesparteitag von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 6. Anträge |
| Antragsteller*in: | Peter Dittmann (KV Salzland) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 01.11.2026, 08:49 |
A1: Stadt, Land, elektromobil – mit erneuerbarer Energie aufgeladen in die Zukunft
Antragstext
Erneuerbare Energien, intelligente Netze und Elektromobilität verbinden
Klimaschutz, bezahlbare Mobilität und Wertschöpfung. Sachsen-Anhalt bietet dafür
beste Voraussetzungen für Menschen und Unternehmen in Stadt und Land. Wer
elektrisch fährt, soll von diesem Vorteil profitieren können, unabhängig vom
Einkommen oder einer eigenen Wallbox in der Garage.
Elektromobilität ist dabei Teil einer umfassenden Mobilitätswende mit einem
starken öffentlichen Verkehr sowie sicheren Fuß- und Radwegen und
funktionfähiger Infrastruktur. Gerade dort, wo ein eigenes Fahrzeug die beste
verfügbare Option ist, muss der elektrische Umstieg einfacher und bezahlbarer
werden.
Neue Wind- und Solaranlagen benötigen laut einer Enervis-Untersuchung pro
Kilowattstunde rund 89 Prozent weniger EEG-Förderung als bestehende Anlagen. Der
weitere nötige Ausbau unserer erneuerbaren Energien wird günstiger. Allein 2024
entfielen laut einer Untersuchung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft
rund 26,4 Milliarden Euro in klimaschädliche Subventionen im Energiebereich. Wir
wollen diese sozial gerecht abbauen und erneuerbare Energien, Effizienz und
klimafreundliche Mobilität für alle Einkommensgruppen stärken. Mehr erneuerbarer
Strom und seine flexible Nutzung senken Kosten und fossile Preisrisiken.
Dabei kann die Summe der installierten Anlagenleistung größer sein als die
vereinbarte Einspeiseleistung am gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt.
Voraussetzung ist, dass eine technische Steuerung die Einhaltung dieser Grenze
sicherstellt. So können beispielsweise Photovoltaik, bedarfsgerecht betriebene
Biogasanlagen und Speicher einen Anschluss gemeinsam besser auslasten.
Elektrisches Carsharing wollen wir auch in kleineren Städten und im ländlichen
Raum stärken. Dafür sollen Ladeinfrastrukturen gefördert und
Sondernutzungsgebühren ausgesetzt werden. Kommunalverwaltungen sollen den
Einsatz von Carsharing statt eigener Fahrzeugflotten prüfen, um die Angebote im
ländlichen Raum zu etablieren. Öffentliche Fahrzeugflotten sollen den Umstieg
voranbringen und die Nachfrage nach klimafreundlichen Fahrzeugen unterstützen.
Wir wollen die Umstellung auf batterieelektrische Busse beschleunigen und
zugleich das öffentliche Verkehrsangebot verbessern. Die Streichung der Mittel
auf Bundesebene verurteilen wir als kontraproduktiv und kurzsichtig. Das
unterstreicht wie wichtig unsere Forderung nach einem Landesförderprogramm für
E-Busse ist.
Verkehrsunternehmen benötigen verlässliche Unterstützung für Fahrzeuge,
Ladeinfrastruktur, leistungsfähige Netzanschlüsse und die Umgestaltung ihrer
Betriebshöfe. Diese Unterstützung muss auch kleinere Unternehmen und den
Regionalverkehr erreichen. Auch elektrische Busse müssen mit verlässlichen
Verbindungen, guten Anschlüssen und bezahlbaren Fahrpreisen einhergehen.
Dazu brauchen wir Ladeinfrastruktur an Betriebshöfen, Logistikstandorten und
entlang wichtiger Verkehrsachsen. Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge benötigt
nicht nur mehr Leistung, sondern auch bauliche Mehraufwände für Stellplätze und
Durchfahrtshöhen diese Mehraufwendungen müssen auch in der Förderung
berücksichtigt werden. Netzanschlüsse müssen vorausschauend geplant werden.
Kleine und mittlere Unternehmen sollen beim Umstieg Unterstützung erhalten. Dies
wird die bereits stattfindende Transformation zu E-LKW beschleunigen.
Förderfähig sollen Zuschüsse sowohl für geeignete Umrüstsätze zum selber
schrauben als auch der fachgerechte Einbau durch qualifizierte Werkstätten und
notwendige technische Prüfungen sein. Voraussetzung sind ein geprüfter sicherer
Betrieb, die erforderliche Zulassung beziehungsweise Betriebserlaubnis und ein
nachvollziehbarer ökologischer Nutzen. Unterhaltsame und hilfreiche Video-
Tutorials können beim e-Umbau unterstützen.
Bidirektionales Laden ermöglicht, günstigen Strom in der Fahrzeugbatterie zu
speichern und bei Bedarf gegen Entlohnung ins Netz zurückzuspeisen. Die
Festlegung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten der
Bundesnetzagentur vom 1. Oktober 2026 verbessert dafür endlich die
Rahmenbedingungen.
Wir wollen bidirektionalem Laden schneller zum Durchbruch verhelfen.
Landesenergieagentur und Verbraucherzentrale sollen gemeinsam über Technik,
Angebote, Kosten, Erlöse und Garantiebedingungen informieren. Neue Dienstwagen
von Landesregierung und Landtag müssen batterieelektrisch und zur
Netzrückspeisung geeignet sein. Das Bau- und Liegenschaftsmanagement soll dafür
an allen Landesliegenschaften die Voraussetzungen schaffen und bedarfsgerecht
Ladepunkte installieren. Erstes Zwischenziel soll sein, bis Ende 2028 100
bidirektionale Wallboxen in Landesliegenschaften zu installieren.
Die Zukunft der Automobilzulieferindustrie liegt in der Elektromobilität. Wer
einseitig am Verbrenner festhält, gefährdet Arbeitsplätze und
Wettbewerbsfähigkeit. Mit ihrem Antrag „Transformation der
Automobilzulieferindustrie in Sachsen-Anhalt aktiv gestalten“ (Drs. 8/5577) hat
die grüne Landtagsfraktion konkrete Maßnahmen vorgelegt. Daran knüpfen wir an:
Wir fordern ein landesweites Transformationsprogramm, das Unternehmen bei der
strategischen Neuausrichtung berät und Investitionen in elektrische Antriebe,
klimaneutrale Produktion, Digitalisierung und Weiterbildung unterstützt.
Begründung
Klimaschutz und wirtschaftliche Vernunft sprechen für erneuerbare Energien und elektrische Mobilität. Die Abhängigkeit von Öl belastet Haushalte und Unternehmen und macht uns gegenüber internationalen Krisen unnötig verwundbar.
Sachsen-Anhalt kann diese Abhängigkeit verringern und gleichzeitig mit erneuerbarer Stromerzeugung, intelligenten Netzanschlüssen, bezahlbarer Elektromobilität und einer Industrie, die Zukunftstechnologien entwickelt und produziert, neue Perspektiven schaffen. Wir wollen, dass die Menschen und Unternehmen im Land diese Chancen nutzen können, in unseren Städten ebenso wie in unseren Dörfern.
Wir wollen diesen Wandel so gestalten, dass seine Vorteile im Alltag ankommen, ob bei jungen Menschen mit einer umgerüsteten e-Schwalbe, bei Pendelnden, bei Fahrgästen elektrischer Busse, im Handwerk und in der Industrie. So verbinden wir Klimaschutz mit bezahlbarer Mobilität und wirtschaftlicher Stärke.
Unser Land hat zwar schwierige Mehrheiten mit rückwärtsgewandten fossilen Parteien aber ein stärkeres Gegengewicht, mit reichlich erneuerbarer Energie, starken Forschungseinrichtungen, industrieller Erfahrung und qualifizierten Beschäftigten als beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transformation, für eine erneuerbare Zukunft. Wir Grüne kämpfen dafür, dass Sachsen-Anhalt diese Zukunft erfolgreich mitgestaltet.
Dieser Antrag entstand mit freundlicher Unterstützung aus der LAG-Energie und wurde auch in der LAG MoViBau diskutiert.
Ich danke allen Beteiligten und Hinweisgebenden vielmals.
Unterstützer*innen
- Emanuel Fischer
- Madeleine Linke
Änderungsanträge
- Ä1 (Martin Neumeister (LAG MobiBau), Eingereicht)
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